/Dibobe – Ein Protokoll

Martin Dibobe, 1876 in Kamerun geboren, war der erste schwarze Hoch- und U-Bahn-Zugführer im Berlin der Kaiserzeit. 1896 war er als sogenannter „Schauneger“ im Rahmen der Gewerbe- und Industrieausstellung mit angeschlossener Kolonial- und Völkerschau nach Berlin gekommen. Die Stadt wird zu seiner neuen Heimat, er heiratet und engagiert sich später politisch, unter anderem für die Rechte der in Deutschland lebenden Afrikanerinnen und Afrikaner. Im Sommer 1921 verschwindet Dibobe ohne weiteres Lebenszeichen im westafrikanischen Liberia. Im Fokus des Erzählten steht nicht nur Dibobe selbst, sondern auch der Ich-Erzähler, ein fünfzigjähriger, vom Universitätsleben frustrierter Literaturwissenschaftler. Auf der Suche nach Spuren von Dibobe reist der Ich-Erzähler nach Afrika und entdeckt dabei auch an sich selbst bis dahin unentdeckte Seiten. Der Autor hat für diesen Roman einen spezifischen Schreibstil gewählt, der es dem Leser womöglich nicht einfach macht: Das Komma ist das einzige Satzzeichen in diesem „unendlichen Protokoll“. Die Verwendung des N-Wortes in diesem Roman war aufgrund des historischen Kontextes nicht nur unvermeidlich, sondern zwingend erforderlich.
