Archiv der Kategorie ‘Aktuelles‘

 
 

/WIEN EUROPA MITTE – Eine Utopie: Neu in Lettre International 125

Soeben erschienen: Mein Essay WIEN EUROPA MITTE in Lettre International 125.

hier spricht edgar w.

Soeben erschienen in: Am Erker – Zeitschrft für Literatur, Nr. 77: „Detektive, Cowboys, Sternenkrieger“.

/Jetzt neu im duotincta-Verlag:

Soeben ist mein erster Roman im Berliner duotincta-Verlag erschienen: „Engel im Schatten des Flakturms“.

In einem Wiener Kaffeehaus: Der namenlose Ich-Erzähler, Schriftsteller und „Abenteurer in eigener Sache“, vertreibt sich die Wartezeit bis zur Abfahrt des Nachtzuges nach Berlin mit Notizen zu einem größeren Werk, das er in der Berliner Wohnung seines verstorbenen Freundes und Mentors Stidmann fortsetzen will. Dieses Vorhaben wird allerdings gehemmt durch die Aufzeichnungen des Literaturwissenschaftlers Stidmann, vor allen sind es drei Briefe von drei Frauen, die den Schriftsteller in ihren Bann ziehen. Der Ich-Erzähler begibt sich auf Spurensuche um die halbe Welt, eine tour de force mit kuriosen Abenteuern und ungewöhnlichen Begegnungen. Und immer wieder geht es um „Fragen der Produktivität“: Wird es dem Schriftsteller gelingen, sein Werk zu beenden?

Jetzt zu bestellen in jeder Buchhandlung, direkt beim Verlag oder über Amazon.

/Der Ich-Erzähler, Stidmann und die Gräfin im Garten der Villa in Wien-Döbling

Über Bilder im Kopf und Bilder an der Wand: Gedanken zu meinem Roman Engel im Schatten des Flakturms

Das ist merkwürdig: da dachtest du, mit dem Abschluss deines Romans Engel im Schatten des Flakturms wären auch deine Figuren in den Seiten und zwischen den Buchdeckeln verschwunden. Doch plötzlich tauchen sie wieder auf, der Ich-Erzähler, der Literaturwissenschaftler Dr. Franz Stidmann und die Gräfin. Da sitzen sie: im Garten der Villa der Gräfin im 19. Wiener Gemeindebezirk, in Wien-Döbling. Offenkundig ist es einer jener Sommer, in denen es noch nicht so heiß ist, dass man in das Haus flüchten müsste. Man sitzt an einem Gartentisch, bei Tee und Kaffee und Gebäck unter hohen Bäumen, zwischen denen die Sonnenstrahlen herab fallen. Hübsch, dieses Service der Porzellanmanufaktur Augarten, nicht wahr?

Da sitzen sie also, es scheint, sie sind ganz vertraut miteinander, der Ich-Erzähler, Stidmann und die Gräfin. Die trägt wie zu erwarten ihr hübsches Sonnenhütchen, während der Ich-Erzähler und Stidmann jeder einen gewöhnlichen Hut auf dem Kopf haben, und wir fragen uns, warum sie ihre Hüte nicht abgelegt haben? Unhöflich sind beide bekanntermaßen nicht. Dem Ich-Erzähler klemmt übrigens, ganz lässig, ein Zigarettchen zwischen den Lippen, und du fragst dich jetzt, ob die Tatsache, dass er Raucher ist in deinem Roman Erwähnung gefunden hat? Dr. Stidman, der an der hinteren Stirnseite der sommerlichen Tafel sitzt, erinnert uns ein wenig an Joyce in seiner Zürcher Zeit. Die drei schweigen, dabei hätten sie sich sicher viel zu erzählen. Aber das steht ja alles in deinem Roman, wo auch die drei Figuren ihr Zuhause haben, die du nun zufällig wieder getroffen hast: auf einem Bild, das einer Wand in einem Zimmer einer Wohnung hängt, wo du zu Gast bist. Diese Wohnung gehört zur Alten Büdnerei in Kühlungsborn, einem Ort in Mecklenburg-Vorpommern bei Rostock und also Lichtjahre und Welten von dem Garten der Villa der Gräfin in Wien-Döbling entfernt. Doch dieser Ort, Wien-Döbling, steht mit einem Mal wieder ganz klar und nah vor deinen Augen, während du dieses Bild betrachtest, hübsch gerahmt ist es, und es hat auch einen Titel: A Memory of Avignon, sein Schöpfer: Edward Fitzmaurice Chambré-Hardmann, ein in Dublin im Jahr 1898 geborener und 1988 in Liverpool verstorbener Porträt- und Landschaftsfotograf. Du musst zugeben, dass du bisher nichts von diesem Mann wusstest. Hoffentlich ein verzeihliches Versäumnis im schmalen Kanon deines Wissens. Jedenfalls hängt sein Foto A Memory of Avignon hier an der Wand in diesem Raum in der Alten Büdnerei in Kühlungsborn. Und es evoziert in dir sogleich die Welt deines Romans Engel im Schatten des Flakturms. Du fragst dich warum? Die Literatur ist romantisch, sagt Peter Handke. Er hat damit sehr vieles gemeint. Vielleicht auch dies: mit dem Schreiben erfüllt sich der Schriftsteller Sehnsüchte, die zu stillen uns auf andere Weise nicht wirklich gelingt. Wir schmücken unsere Häuser und Wohnungen mit Versatzstücken aus den alten Zeiten, verwandeln Wohnzimmer in englische Salons und Reihenhausgärten in Idyllen aus der Provence. Gut und schön. Aber erst im Schreiben, im Erinnern und Er-Innern, lassen wir die Dinge wieder auferstehen. Schau doch mal, wie schön es war, damals in diesem Sommer in Avignon! Du erinnerst dich doch bestimmt? Der Duft der Blumen? Das Licht der Sonne? Das Rauschen des Baches? Das Lächeln der hübschen Frau mit dem Sonnenhut? Wird dies alles jemals wiederkehren? Doch bald wird es Zeit, Abschied zu nehmen. Du wirfst dem Bild an der Wand, dieser Fotografie von Mr. Chambré-Hardmann, auf denen sich drei deiner Romanfiguren eingefunden haben, einen letzten Blick zu. Au revoir! Dann fährst du zurück nach Berlin, immerhin verringerst du mit diesem Akt die physische Entfernung nach Wien (und übrigens auch nach Avignon, falls es dich einmal dorthin verschlagen solltest), jedenfalls kehrst du zurück an den Schreibtisch, der vor dem Fenster steht mit Blick auf den Kanal, und wo du jetzt, in diesem Moment, das Buch mit dem Titel Engel im Schatten des Flakturms aufschlägst und deine Figuren davon fliegen lässt, den Ich-Erzähler zum Beispiel, der mit dem Hut auf dem Kopf und der Zigarette im Mundwinkel, und der schon bald in einem weiteren Roman von sich reden machen wird.

Foto: Das Foto mit dem Titel A Memory of Avignon hängt in der Alten Büdnerei in Kühlungsborn. Fotograf: Mr. Chambré-Hardmann. Herzlichen Dank an Kristin Schröter.

/Fragen der Produktivität

Über das Schreiben und meinen Roman Engel im Schatten des Flakturms

Was für ein schöner Moment, wenn ich auf einer Manuskriptseite unter den 400 Worten, die ich da in Stunden oder Tagen geschrieben habe, unter den Verben, Adjektiven, Substantiven Dinge entdecke, die womöglich gar nicht in einen gemeinsamen Kontext gehören: Einsteins Lambswool-pullover, eine Schwimmente, Josef Goebbels, ein Kieselstein, ein Sonnenaufgang (oder Sonnenuntergang, ganz wie Sie wollen),  ein Kirchenschiff, Regentropfen, ein Billardqueue, ein Gelbhaubenkakadu, Newtons Fernrohr, ein Zwergpinscher, Klatschmohn, die Augen einer Frau, ein angebissenes Sesambrötchen. Dann weiß ich, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Der Text nimmt Gestalt an. Alles passt wunderbar zusammen, Hat sich zu einem Ganzen gefügt. So kann es weitergehen mit dem Schreiben. Hier bin ich Mensch, hier darf ich´s sein. Falls es Sie interessiert: Prosa schreibe ich sehr langsam. Ich meißle Wort für Wort für den Roman aus dem Packeis der leeren weißen Seiten, aus der digitalen Illusion eines Blatt Papieres im Format Einundzwanzigkommaneun mal Neunundzwanzig-kommasieben in der Hoffnung, am Ende bei meinen 60.000 oder 80.000 Worten nicht ein Wort zu viel und kein Wort zu wenig geschrieben zu haben.  Also Wort für Wort, Satz für Satz, Zeichen für Zeichen. Du schreibst 100 Worte, um am nächsten Tag 200 wegzuschmeißen, dafür aber am übernächsten Tag 400 oder sogar 500 zu schaffen, die Bestand haben. Und immer so weiter mit dem Worteherausmeißeln. Das ist ein wenig anstrengend, aber was soll´s? Bei den Hunderttausenden von guten Schriftstellern, Dichter, Autoren, Dramatikern, Lyrikern, die es um dich herum gibt, darf dir nur eines wichtig sein: dein eigener Stil, dein eigener formaler Zugang, deine möglichst individuelle Sprache. Wie du etwas erzählst, ist entscheidend. Du erzählst keine Story, auch wenn gegen Stories überhaupt nichts zu sagen ist, im Gegenteil, aber du selbst fertigst ein Sprachwerk, Literatur. Du bist Literat, du liest Literatur, du liebst Literatur, du träumst Literatur, du kaufst Literatur, du bewertest Literatur, du schaffst Literatur. Für mich trifft folgender Satz zu: Nur Schreiben führt weiter, nur im Schreiben selbst kommt man voran. Nachdenken, planen, konzipieren, ja gerne, aber ums Schreiben kommst du genauso wenig herum, wie der Maler, der mit seinem Pinsel die leere weiße Leinwand füllen muss, wie der Bildhauer, der aus einem unscheinbaren Klotz die schönsten Dinge hervorzaubert. Also schreiben, nicht denken. Was im Schreiben auf einen zukommt, weiß man nicht. Da kann viel passieren. So geht´s mir, anderen geht es anders, keine Ahnung, ich denke da gerade mal nur an mich, denn der Dichter ist bekanntlich ein ganz und gar furchtbarer Egoist. Vermutlich sind diese Weisheiten schon millionenfach gesagt worden. Aber im Schreiben, da kann ich zaubern, an ungewöhnliche Orte reisen, die wildesten Abenteuer erleben, die tollsten Liebschaften machen, alles ist erlaubt, ich kann romantisieren, maßlos übertreiben, meine guten alten Freunde zum Leben erwecken, und da sind sie auch schon: Flaubert vor seinem Haus in Croisset, Uwe Johnson in seinem Arbeitszimmer in Sheerness-on-Sea,  Newton als Vorsteher der Königlichen Münze, Thomas Mann, wie er mal wieder ein hübsches Köpfchen tätschelt, Handke in der U-Bahn nach La Defense, ich selbst am Grab von Otto Preminger am Wiener Zentralfriedhof. Doch genug geschwafelt. Noch ein paar Worte zu meinem Roman Engel im Schatten des Flakturms. Meine Hauptfigur in diesem  Roman (wie auch in zwei weiteren ebenfalls fertig gestellten Romanen) ist ein namenloser Ich-Erzähler, Held unserer Zeit, Schriftsteller (das musste ja sein), Abenteurer in eigener Sache. Der Ich-Erzähler-Schriftsteller kommt von Wien nach Berlin (ja, DAS IST autobiografisch). Dort erbt er die Wohnung eines verstorbenen Freundes namens Franz Stidmann, eines Literaturwissenschaftlers, der an amourösen Geschichten aller Art interessiert war, allerdings auf diesem komplizierten Lebensfeld grandios gescheitert ist. In Stidmanns Wohnung findet der Ich-Erzähler-Schriftsteller drei Briefe von drei Frauen. Er begibt sich auf Spurensuche, auf eine tour de force rund um die Welt und durch die Welt der Literatur, er trifft Menschen, wie es sie nur in Romanen gibt und erlebt Dinge, von denen er nie zu träumen wagte. Es gibt Kapitelüberschriften: Die innere Stadt, Kurische Näherung, Der Monolith (hier taucht unter anderem plötzlich Canetti auf, der ist ja wirklich überall), Ein Land der Zukunft, Ein süßes Mädel aus der Vorstadt usw. Und immer wieder stellt sich der Ich-Erzähler-Schriftsteller „Fragen der Produktivität“. Wird er es am Ende schaffen, sein Werk zu beenden? Noch eine Anmerkung zum Titel. Ich gebe zu: Engel im Schatten des Flakturms klingt ein wenig reißerisch, vielleicht sogar nach WK II-Romanze, womit das Ganze allerdings nichts zu tun hat. Zu dem Romantitel hat mich das Zimmerdeckenfresko in unserer alten Wiener Wohnung inspiriert. Dort schwebten seit hundert Jahren diverse Engel herum, von einem unbekannten Maler geschaffen, und wenn man aus dem Fenster in den Augarten hinaus blickte, standen da die zwei großen Flaktürme. Also: Engel im Schatten des Flakturms –  und Einsteins Lambswoolpullover und eine Schwimmente und Josef Goebbels und ein Kieselstein und ein Sonnenaufgang und ein Kirchenschiff und Regentropfen und ein Billardqueue und ein Gelbhaubenkakadu und Newtons Fernrohr und ein Zwergpinscher und Klatschmohn und die Augen einer Frau und das angebissene Sesambrötchen nicht zu vergessen.

/4.Mai: Lesung an der Ostsee

In der Alten Büdner in Kühlungsborn an der Ostsee habe ich aus meinem Roman „Engel im Schatten des Falkturms“ gelesen.

/Leipziger Buchmesse 2019

Leipzig liest, und ich bin dabei, in der Halle 2, Leseinsel Junge Verlage: Lesung aus meinem im Mai erscheinenden Roman „Engel im Schatten des Flakturms“ beim duotincta-Verlag, Berlin.

/Leipziger Buchmesse 2019

Mit Lektor Ansgar Koeb am Messestand des duotincta-Verlages.

/On Kawaras letztes Date Painting

Mein Essay „On Kawaras letztes Date Painting“ wurde jetzt veröffentlicht:

TEXTEM Kulturmagazin / Texte und Rezensionen, Textem Verlag  Hamburg.

Hier geht´s zum Text.

/wie gut es mir geht – eine feststellung

ich musste nicht mit napoleons truppen durchs eisige russland stand bisher nie auf einer liste mit todeskandidaten wurde nie zu den leprösen in ihre kolonien geschickt musste keinen gelben stern an meiner Kleidung tragen hatte bisher immer genug wasser zu trinken musste nie den anblick von hingerichteten ertragen habe mich nicht vor dem großinquisitor rechtfertigen müssen war nicht an der front während des irakkrieges habe nie als pestarzt praktiziert wurde bisher nie in einen bandenkrieg verwickelt lag nicht vor ypern im giftigen gas wurde bisher keinem verhör und keiner folter unterzogen hatte bis heute keine begegnungen mit gefährlichen glatzen musste nicht in die augen der ssoffiziere blicken gehöre bisher nicht zu den wegen ihrer meinung verfolgten habe nie für lebensmittelrationen anstehen müssen werde mit leichen aus massengräbern nur im tv konfrontiert war bisher nie das opfer eines tsunamis muss nie den abwurf einer atombombe befehligen wurde bisher nicht von granatsplittern getroffen musste bis dato nie in den lauf einer pistole blicken war bis jetzt nicht einer tödlichen strahlung ausgesetzt habe nie an einem erschießungskommando teilnehmen müssen war bis heute nie der willkür einer diktatur unterworfen weiß nur aus der zeitung von der existenz von todesschwadronen musste nie die opfer einer katastrophe identifizieren stand nie einem killer der mexikanischen drogenmafia gegenüber bin bis jetzt nie einer wilden bestie begegnet komme nicht als retter in einem erdbebengebiet zum einsatz musste bisher nicht durch eine feuerhölle gehen kenne todbringende seuchen bis jetzt nur aus den nachrichten wurde nie in einem viehwaggon in ein lager verschleppt war nie das opfer eines angriffes mit napalm musste bisher nie den lärm einer flugabwehrkanone ertragen wurde bis heute nie wegen meiner hautfarbe bespuckt werde nie die lebensrettende operation eines kindes durchführen müssen musste bis heute mein land nicht verlassen

(veröffentlicht in: SIGNUM – Hefte für Literatur und Kritik, Ausgabe 1 / 19, Dresden 2019)